Düsseldorf – Benrath

Ach, heute juckt es mich in den Fingern.
Ich muss schreiben.
Und zwar für meine Sammlung von Texten über düsseldorfer Stadtteile.

Ich könnte Euch was über Pempelfort erzählen, wo es alles gibt, was man braucht, wo die Welt in Ordnung ist und die Leute Geld haben. Oder über Oberbilk, wo ich als Studentin gelebt habe, wo es so multikulti hergeht, wie es nur geht. Ein krasser Gegensatz.
Oder über meine Jahre in Flingern könnte ich was zum Besten geben, gerne sogar, denn dort habe ich mich zum ersten Mal in Düsseldorf wohlgefühlt.
Könnte. Mache ich aber nicht. Ich will Euch erzählen, wo ich jetzt bin.

In Benrath.
15.831 Leute leben in diesem Stadtteil, sagt Wikipedia.

Böse Zungen behaupten ja, das sei schon gar nicht mehr Düsseldorf.
Ein bisschen ist da auch was dran, denn Benrath ist neben Urdenbach der südlichste, also allersüdlichste Zipfel von Düsseldorf. Oben drüber macht der Rhein eine dicke Schlaufe und den Fernsehturm sieht man nur klein am Horizont, wenn man direkt am Rheinufer steht.
Aber naja. Es ist Düsseldorf. Ja.

Es hat hier aber nichts mit dem „hippen“ Düsseldorf zu tun wie man es zum Beispiel in Flingern findet. Wo all die Schönen und Reichen jetzt wohnen möchten, weil es ja so cool ist. Aber das ist ein anderes Thema.

Benrath. Hier bin ich gelandet, als ich nach der Trennung von meinem Exfreund ganz schnell eine eigene Bleibe brauchte und aus Mülheim an der Ruhr wieder nach Düsseldorf zurück wollte, weil ich hier an der Musikhochschule studiert habe und auch schon viele Jahre hier gewohnt habe (seit 1998).
Nach ein paar Wochen Unterschlupf bei einer Freundin hatte ich Zeitdruck.
Etwas ohne Balkon oder Gartennutzung kam aber nicht in Frage, denn ich habe zwei Katzen und die sollten ihre Näschen an die frische Luft halten dürfen. Mindestens.

Eilig habe ich überall im Internet gesucht- und stiess bald auf eine kleine (sehr kleine) Wohnung mit Gärtchen. In Benrath. Bezahlbar sogar.
Bei der Besichtigung war ich alleine mit einer Oma, die meinte, ihre Möbel würden hier gar nicht reinpassen (kann ich jetzt nachvollziehen).
Also hatte ich die Wohnung.

Wo ich da gelandet war, war mir erst gar nicht so bewusst.
Nämlich an einem der schönsten Flecken von ganz Düsseldorf! Jawohl!

Dorf passt hier in Benrath auch ganz gut. Der Kern des Stadtteils wird von den Ureinwohnern liebevoll als „Dorf“ bezeichnet und ein bisschen hat er auch einen solchen Charakter.
Schön ist das Dorf.

Im Zentrum steht eine große Kirche (St. Cäcilia), davor gibt es einen Marktplatz, auf dem jeden Tag Stände stehen und drumherum eine Fussgängerzone, die locker mit jeder Kleinstadt mithalten kann.
Hier ist nichts zu spüren von Euro-Shops, Kicks und Kodis (obwohl, einen Kodi gibt es sogar).
Heile Welt.
Viele Einzelhändler können sich noch halten.
Ein Gemüsehändler zum Beispiel.
Aber es gibt auch einen dm, einen REWE, McPaper, einen anderen großen Schreibwarenladen, ein „Spinnrad“, ein Reformhaus, einen Bio-Supermarkt (TEMMA), eine Eisdiele und so weiter.

Neben der Fussgängerzone gibt es noch die Ecke, in der ich wohne, nämlich die bei der evangelischen Kirche (Dankeskirche) und dem Rathaus.

Um die Benrodestraße versammeln sich wunderbare kleine Lädchen. Ein kleiner Weinladen, ein Goldschmied, ein wunderbares, kleines Biolädchen, mehrere Bäcker und so weiter.
Sogar einen Roller-Frickler gibt es hier. Und einen Menschen, der alte Citroens sammelt.
Schön.
Das Rathaus ist ebenfalls wunderschön. Ein altehrwürdiges Gebäude mit dicken Mauern.

Was man allerdings in Benrath vergeblich suchen wird, sind hippe Kneipen mit leckerem Essen und selbst ein schönes Café findet man nicht im Dorf.
Allerdings zwei „Schoko-Läden“, die ich aber noch nicht getestet habe. Dort wird man bestimmt auch Kaffee und Tee bekommen.

Ansonsten muss man ein paar Schritte weiter zum Herzen Benraths: Dem Schloss!
Dort gibt es ein „Schloss-Café„.
Ich liebe dieses Schloss und seinen Park.
Wunderwunderschön liegt es da, wenn man durch Benrath fährt, hinter der Kurve um den Schlossweiher. Bescheiden, flach und rosa lächelt es einem freundlich entgegen.
Davor die Enten und Schwäne. Freundlich, ja so geht freundlich.

Und hinter dem Schloß erstreckt sich ein riesiger Schloßpark vom Feinsten!
Englischer Garten, Französischer Garten, ein Bauerngarten und ein Küchengarten sowie ein Barockgarten und eine große Waldfläche, in der man sich entscheiden kann, ob man auf den barocken, gerade angelegten Wegen wandelt oder die wilden Waldwege nimmt.
Hier habe ich sofort mein Herz gelassen, als ich den Park das erste Mal betrat!

Und wenn man durch den Park hindurch ist, kommt man da wieder raus, wo der Rhein am schönsten ist: Am Benrather Rheinstrand. An lauen Sommerabenden kann man hier wunderbar sein.
Oben auf den Bänken sitzen alte und kranke Menschen um ihre Seele aufzutanken. Unten sind die jüngeren und die Familien. Ach, ich könnte weit ausholen und schwärmen.

Ja. Das ist mein Benrath.
Ich bin hier erst seit 5 Monaten und doch liebe ich es schon.
Und die Natur ist hier greifbar nahe. Direkt nebenan findet man die „Urdenbacher Kämpe„, ein wunderschönes, grosses Naturschutzgebiet, das es sich lohnt zu erkunden.

Verkehrstechnisch ist man hier übrigens sehr gut angebunden.
Benrath hat einen eigenen S-Bahnhof. Von hier aus ist man viel schneller in Köln als vom düsseldorfer Zentrum. Man ist ratzfatz auf den Autobahnen A59 und A46.
Und es gibt Busse und die Straßenbahnen 701 und U74 fahren direkt vor meiner Haustür ab.
.
.
.

Fotos folgen. Ich wollte nur erstmal was schreiben, damit Ihr nicht denkt, ich wolle nur für mich arbeiten lassen. So.
Jetzt seid Ihr dran!
Wie sind denn Eure düsseldorfer Stadtteile? Erzählt!

Gerne könnt Ihr auf Eurem eigenen Blog schreiben und ich verlinke Euch. Oder Ihr sagt mir Bescheid, wenn Ihr gerne hier einen Gasteintrag schreiben möchtet. Da würde ich mich auch sehr drüber freuen!

Advertisements

13 Kommentare zu “Düsseldorf – Benrath

  1. Ich bin in Urdenbach/Benrath gross geworden und habe dort den mit Abstand längsten Zeitabschnitt verbracht.
    Was an Benrath anders ist ? Hier bemüht sich der Müllmann um Sauberkeit und Ruhe am morgen (und kassiert dafür am Ende des Jahres Taschengeld per Klingelbesuch) und es ist mit Sicherheit der einzige Ort in Düsseldorf, an dem die Kinderspielplätze mit Vogelsand ausgelegt wird, der täglich gereinigt wird..
    In Urdenbach, und erst da fängt das Ende der Düsseldorfer Welt WIRKLICH an, kann man eine tolle Kreativitätsschule für Kinder finden, in der ich auch war und die es immernoch genau so gibt (Töpfern, Keramik, Glas, Foto, Holz, Acryl.. alles ist möglich).
    In Bamberg, gleich dahinter, fängt die Fahrradpiste an, da gehts nur noch ..vorwärts ! ;D

    soviel von mir schnell aus der Hüfte ein paar Erinnerungen :D

    • Hey, Ivy! Das wusste ich ja gar nicht, dass Du hier her kommst! :) Ist ja interessant.
      Nee, aber so extrem ist Benrath doch gar nicht (mehr?). Ich finde die Leute hier echt sehr „normal“. Vielleicht ist das in Urdenbach schon wieder anders?
      Und in Baumberg arbeite ich ja. Bin ich schon oft mit dem Rad hingefahren. Kann ich bestätigen, das geht sehr gut… überhaupt richtung Monheim.
      Und ein Müllmann hat bei mir noch nie geklingelt. Und der Lärm ist genauso wie in Flingern. Hehe. ;)

  2. Liebe LinaLuna,
    ich bin täglich dabei, einen Blick für die Schönheiten in Düsseldorf zu entwickeln. Oberflächlich betracht könnte man es als etwas zu schick und modeorientiert halten.

    Das besondere an Düsseldorf ist, daß es keine typische Großstadt ist, es hat, im Gegensatz z.B. zu Berlin, eher einen Kleinstadtcharakter.

    Aber es gibt auch mehr! Eine kleine Fotoreihe habe ich mal über die Natur in der Stadt gemacht, um zu zeigen, es gibt auch ganz andere Seiten hier bei uns. Darüber muß ich mal unbedingt in meinem Blog berichten.

    Sehr oft zeige ich ja in meinem Blog Eindrücke aus dem linksrheinischen Stadtteil Heerdt – und da insbesondere vom Ökotop Heerdt, einer alternativen Gartenanlage, mit 60 naturnah gestalteten Gärten.

    Hier sind Bilder aus dem Spätsommer:
    http://duesselblume.blogspot.de/2012/11/schones-aus-dem-okotop-im-spatsommer.html

    Da ich aber zur Zeit in Bilk wohne, schreib ich hier auch was über die kleinen bezaubernden Seiten dieses sehr zentralen Stadtteils:

    die Düssel kurvt durch Bilk, An ihren Ufern geht es zum Teil – wenn man auch durch Geländer vorm Betreten gehindert wird – sehr naturnah zu. Da wachsen unglaublich viele Wildkräuter,: Brennessel, Beinwell, Wiesenkerbel uvm.
    In der Nähe ihrer Brücken wächsen Holunder, Schlehen und Kornelkirschen…

    Dann haben wir hier ein schönes kleines Kino an der Brunnenstraße. Direkt daneben gibt es noch einen winzigen Bioladen, der keiner Kette angehört – und somit, da von drei Bio-Ketten umgeben, auf weitere viele nette Kunden angewiesen ist ;-)

    Von sehr vielen Straßenbahnen und einer S-Bahn durchquert, braucht man hier kein Auto und kommt meist ohne Probleme in alle anderen Stadtteile.

    Die Natur ist nicht fern, in einer viertel Stunde ist man mit dem Fahrrad am Rhein oder im Volksgarten. Und auch mit der S-Bahn ist man in 15 Minuten mitten in Tälern ,z.B. dem Neanderthal und anderen…

    Hier habe ich in meinem Blog mal etwas über dein Nachbarstadtteil, die Urdenbacher Kämpe und ihre schönen Apfel- und Birnbäume geschrieben:

    http://duesselblume.blogspot.de/2012/04/birnen-und-bienen.html

    Allles Liebe (ich bin mal gespannt auf Berichte aus den anderen Stadtteilen) sendet Anke

    • Ooooch! Wie schön! Da lässt sich doch ein richtiger Blogeintrag draus machen, oder?
      Magst Du nicht gastbloggen? Oder einen „Sammeleintrag“ bei Dir machen, den ich dann verlinken kann? Wäre toll!

    • Nee, ist egal. Ich will ja keine Kommentare sammeln, sondern Blogeinträge. ;)
      Also, es soll wirklich ausschliesslich um DEINEN Stadtteil gehen. Magst Du Deine Bilk-Erläuterungen noch ausführen und zu einem Blogeintrag zusammenschreiben?

  3. Hätte nicht gedacht, dass mich ein Eintrag über einen Düsseldorfer Stadtteil derart feseln könnte; hat er aber. Fand ich anregend :)

    • Ich meinte jetzt auch eher: Schreib doch einfach den Kommentar-Text zu einem richtigen Blogeintrag zusammen. Vielleicht noch ein bisschen, warum Du da wohnst, wo Du wohnst und was gut oder doof daran ist…
      Dann veröffentliche ich den Text gerne als Gasteintrag. Oder Du schreibst ihn bei Dir. Aber das Thema sollte ausschliesslich der Stadtteil sein. :)

  4. deine artikel sind ganz wunderbar zu lesen! =) welche gebiete würdest du mir als außenstehende empfehlen? ich werde wohl im neuen jahr aus beruflichen gründen nach düsseldorf ziehen müssen.beste grüße
    illona

    • Hm. Das kommt ganz darauf an, was Du haben willst. Möchtest Du es hip&chic oder eher alternativ? Magst Du es eher gradlienig, sauber und familienfreundlich? Oder sogar eher gehoben? Oder ist dir multikulti lieber oder sogar alternative Szene?
      Darf es etwas auswärts der City sein oder lieber nahe am Hauptbahnhof oder Flughafen?
      Das ist ja alles individuell. Ich weiss ja nicht, was Du magst. ;)
      Da werden Dir sicher die noch folgenden Stadtteil-Berichte eine kleine Hilfe sein.

  5. Mmh, der allersüdlichste Stadtteil ist aber Hellerhof, der S6 folgend kommt dann Garath und danach Benrath. Kleine Anmerkung ;-) Schöne Liebeserklärung an einen Stadtteil, mit dem Hellerhof und Garath natürlich nicht mithalten könne, die aber trotzdem nicht vergessen werden sollen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s