Gasteintrag „Der Rest von Düsseldorf“ / Derendorf

Ich freue mich sehr. Einige Twitterer, Facebook-Menschen und Blogger haben mir schon angekündigt, dass sie gerne mitmachen werden und hier oder auf eigenen Blogs Einträge zu Düsseldorfer Stadtteilen für meine Serie „Der Rest von Düsseldorf“ schreiben möchten.

Björn ist allerdings der erste, der schon in die Tasten gehauen hat.
Hier ist sein Gast-Eintrag über den Stadtteil Derendorf, gleich neben der Musikhochschule, in der ich studiert habe…

(Es dürfen aber gerne mehrere Einträge zu einem Stadtteil geschrieben werden! Fänd‘ ich sogar besonders spannend, verschiedene Meinungen zu lesen!)

Lieben Dank an Dich, Björn!

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Einen Blog-Beitrag über mein Viertel, „mein Derendorf“ zu schreiben – mit dieser Bitte kam sie auf Twitter auf mich zu. Okay, warum nicht, ich schreibe eh gern, und es tut immer gut, mal nicht im Kundenauftrag, sondern einfach so, „just vor fun“ in die Tasten zu hauen.

Nur wo sollte ich beginnen? Hat doch Düsseldorf im Allgemeinen und Derendorf im ganz Speziellen für mich vor allem eine Bedeutung: Veränderung.

Das Wichtigste vorweg: Ja, ich wohne gern hier. Und das, obwohl Derendorf und ich am Anfang nicht unbedingt eine Liebesbeziehung gewesen sind. Und in den ersten Wochen im Viertel stank es mir ganz schön – wortwörtlich.

Aber eins nach dem anderen.

Zugegeben: Als sich Anfang 2011 der Umzug von Unterbilk, dem kleinen, quirligen Viertel mit den vielen Cafés und Bars rund um die Bilker Kirche, das ich im Laufe der knapp vier Jahre, die ich dort wohnte, so lieb gewonnen hatte, nach Derendorf abzeichnete, hielt sich meine Begeisterung in Grenzen. Das in sich geschlossene Viertel rund um Bank- und Mauerstraße, um Synagoge und IT-Rechenzentrum (dieser unsäglich hässliche Klotz aus Stahl und Rost) war das Ziel, das mir im Vergleich so wenig lebendig und jung vorkam. Immerhin: Ein Garten hinterm Haus ließ den lang geträumten Traum vom Hund in greifbare Nähe rücken. Und viel Platz in der neuen Wohnung bot Raum für neue Ideen, denen ich schon von Berufs wegen nie abgeneigt bin.

Das erste Neue, was Derendorf mir aber bot, war erbärmlicher Gestank. Süßlich-faulig kam er daher. Und überraschend für mich. Denn was die Düsseldorfer im Norden offenbar schon lange in der Nase juckte, war im Süden völlig unbekannt: Der Geruch der Neusser Ölmühle Selz, der bei entsprechender Windrichtung nach Ober- und Niederkassel und über den Rhein nach Derendorf und Golzheim wehte. Nach Tagen des Naserümpfens gründete ich aus einer Laune heraus und ohne große Erwartungen eine Facebook-Gruppe mit dem plakativen Namen „Düsseldorf stinkt’s“ und brachte damit eine unvorhergesehene Welle ins Rollen. Viele Düsseldorfer nutzen den neuen virtuellen Raum, um ihrem Ärger ob des Gestanks Ausdruck zu verleihen. Innerhalb weniger Tage wuchs eine laute Community mit über 350 Mitgliedern heran. Die Welle des Aufbegehrens spülte mich in regionale Zeitungen, ins TV und schließlich ins Rathaus, wo ich in den Düsseldorfer GRÜNEN tatkräftige Unterstützer fand. Dass die Aktion so viel Aufmerksamkeit errang, war aber nicht zuletzt der Rheinischen Post zu verdanken, deren Lokalredaktion ich das erste Telefon-Interview gab, und die den ersten Bericht über „Düsseldorf stinkt’s“ veröffentlichte. Viele Wochen später stellte sich Besserung ein. Die Firma Selz investierte in eine neue Filteranlage, die den Gestank auf ein erträgliches Minimum reduzierte. Das Thema verschwand aus den Medien. Nicht verschwunden ist die Erinnerung daran, wie viel Bürger erreichen können, die ihre Stimme gemeinsam und friedlich erheben.

Nun wohne ich fast zwei Jahre in Derendorf. Aus dem Hund ist bis heute nichts geworden. Dafür habe ich einen mittlerweile vier Monate alten Sohn, den Besten, den man sich wünschen kann, der mein Leben täglich mit Freude erfüllt. Heute bin ich froh, in ruhigeren Straßen zu wohnen. Ich schätze die Nähe zum Rhein, zum Hofgarten und zur City. Und meine schlimmsten Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet. Derendorf bietet viel, nur auf größerer Fläche verteilt: Kultur und gute Gastronomie, kleine Ateliers und charmante Cafés machen Lust zu Verweilen. Alles nicht so schnelllebig und „hipsteresk“ wie in Unterbilk, aber in diesem Fall bietet Langsamkeit Beständigkeit. Derendorf ist längst „mein Derendorf“ geworden.

Mein nächstes Vorhaben wird mir sicher wieder genug Futter für einen Blog-Beitrag geben: ein externes Büro zu finden. Klein soll es sein, ruhig und „das gewisse Etwas“ haben. Meine Vorstellungen sind wenig konkret. Wer mir helfen will, dass es nur eine Kurzgeschichte statt eines Romans wird, kann mir gern seine Ratschläge mitteilen – z.B. hier als Kommentar oder via Twitter, wo ich unter @bjoernkorff regelmäßig meine Gedanken zu privaten und beruflichen Themen veröffentliche.

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Ein Kommentar zu “Gasteintrag „Der Rest von Düsseldorf“ / Derendorf

  1. Pingback: Der Rest von Düsseldorf. « LinaLunas Welt

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