Gasteintrag „Der Rest von Düsseldorf“ / Rath

Juchu! Und noch ein Gasteintrag über einen düsseldorfer Stadtteil in der Rubrik „Der Rest von Düsseldorf„.
Zugegeben, nach Rath hätte mich nichts hingezogen…

Gasteintrag von Thomas (Vielen Dank!):

Rath

Als wir nach Düsseldorf zogen – mehr als 10 Jahre ist das jetzt her – hatten wir wenig Ahnung von lokalen Animositäten.
Wohnungssuche im Schnelldurchgang war gefragt, wir kamen am Hauptbahnhof an, setzten uns ins Café mit dem Falkplan und einer Rheinischen Post, und strichen Anzeigen an.
Die Holde würde in Ratingen arbeiten, und sie wollte mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, also sollte die Wohnung im Norden liegen.

Am selben Nachmittag standen wir in einer hellen, sauber renovierten Dreizimmerwohnung im 3. Stock über einer Einkaufsstraße, vorn heraus die komplette Nahversorgung und Nahverkehr, hinten ein Balkon, der auf einen Wald blickt. Die Miete bezahlbar. Sie schien uns fast zu schön um wahr zu sein, die kriegen wir nie, dachten wir. Am selben Abend unterschrieben wir bei einer alten Dame in Meerbusch den Mietvertrag. Es hatte sie keiner der anderen haben wollen, weil sie in Rath lag.

Wir sollten noch öfter erleben, dass Menschen die Nase rümpften, wenn wir erwähnten, dass wir in Rath leben.

Zweimal sind wir umgezogen, wohnen inzwischen mit Kindern im Erdgeschoss mit Garten, immer blieben wir im Stadtteil.

Rath hat raue Seiten, und glatte. Viele Jahrzehnte mit Mannesmann haben diesen Stadtteil geprägt, zu einem Arbeiterviertel gemacht, und viele Jahre ohne Mannesmann, die einen “sozialen Brennpunkt” daraus machten. Mit hoher Arbeitslosigkeit – unverschuldet, als Mannesmann plötzlich Massen entließ – mit hohem Ausländeranteil, mit dem nicht jeder gleich gut klar kommt.

Ja, es kann schon mal passieren, dass auf der Westfalenstraße schon morgens um neun ein Besoffener randaliert. Oder das gegenteilige Ende des Spektrums, leiser, jemand der die Pfandflaschen aus dem Mülleimer fischt.

In den Jahren in Rath habe ich gelernt, keinen gering zu schätzen, der arbeitet, egal, was für einen Job er hat. „Danke für meine Arbeitsstelle“, die 3. Strophe dieses Kirchenlieds aus den 60er Jahren, wird auch in dieser Gemeinde gesungen, und manchmal denke ich, dass es hier doch manchem schwer über die Lippen kommen muss. Denn auch in Rath, da bin ich sicher, arbeitet keiner gerne nicht.

Ausländer! Kopftücher! Kulturverein und Moschee! Immer wieder das verflixte Kopftuch, das sichtbare Symbol, an dem sich alle aufhängen, das einen vergessen lassen kann, dass hier genauso Italiener und Griechen leben, und heute auch Russen.
Habe ich ein Problem damit? Das habe ich nicht, wie Herr Mon sagen würde.

Die verschiedensten Kulturen leben in Rath ganz einfach zusammen, Moslems gehen nicht nur in den evangelischen Kindergarten, sie feiern auch wirklich gemeinsame Feste, sei es Martinsumzug oder Zuckerfest.

Es gibt hier eine Reihenhaussiedlung, in der viele Türken leben – Türken, die Reihenhäuser kaufen und den Rasen dahinter mähen, wie es spießiger nicht mehr geht, wie integriert ist das denn?

Dabei haben wir es in Rath so gut! Ich erwähnte schon die Grundbedürfnisse, die dichte Nahversorgung mit großen Supermärkten und kleinen Läden, Fachgeschäften, Bücherei, den ÖPNV, Sportvereine, gute Schulen (OK, nicht nur gute) und Kindergärten.
Gute Restaurants, was fehlt, sind Straßencafés.
Schöne Wohnungen, aber auch gammelige.

Und erst der Wald! Der Aaper Wald gehört komplett zu Rath, der Spielplatz „Müllers Wiese“, das Rather Waldstadion, der Segelflugplatz, Joggingstrecke, Mountainbikeparcours, Brombeer- und Fliederbeerstellen, das alles ist von fast jedem Punkt in einem Spaziergang zu erreichen.

Rennbahn und Wildpark, da geht der Wald nahtlos in die Nachbarstadtteile über.

Und wer es nobel mag: In Oberrath findet er Bürgerhäuser und Villen, auch der verstorbene OB Erwin wohnte dort, es ist ein komplett anderes Bild – und eben doch kein eigenständiger Stadtteil, auch wenn mancher es dort gern so sehen würde…

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10 Kommentare zu “Gasteintrag „Der Rest von Düsseldorf“ / Rath

  1. Rath … oh ja .. man nennt es auch „Ankarath“. Der Stadtteil ist ganz prima, mit der 701 und der S6 vor der Haustür, der Westfalenstraße und dem Aaper Wald. Wenn’s nur nicht Düsseldorf wäre.

      • Klingt wie meine Meinung in den ersten 1,5 Jahren. ;) Wie lange hast Du denn hier gewohnt?
        Ich habe inzwischen nämlich superschöne Ecken entdeckt (Benrath ist eine davon und Flingern ist alles andere als „abweisend“). Und die Altstadt finde ich einen der schlimmsten Flecken in ganz Düsseldorf. Gruselig. Nur die Kö ist schlimmer.
        (Abgesehen von der ganz alten Altstadt, hinten bei der „Zicke“, Maxkirche, Filmmuseum und Stadtmuseum…)

  2. hattestdu die wohnung per privatinserat gefunden oder über allgemeine seiten wie ? ich bin noch recht unschlüssig, auf welchem wege ich suchen soll, weil ich gerne die maklercourtage sparen würde =) über tipps würde ich mich sehr freuen!

    • Huhu! Sag bloß, Du bist über die Suchmaschine hier gelandet, als Du nach Stadtteilen von Düsseldorf gesucht hast?
      Also, ich habe meine Wohnung auf kalaydo.de gefunden. Immoscout gucken alle und die Wohnungen sind immer sofort weg.
      Für Düsseldorf gibt es aber noch ganz was tolles! Sieh mal hier: http://www.salzundbrot.com/
      Das sind alles provisionsfreie Wohnungen! :)
      Für mich war das damals zu knapp, ich musste leider eine mit Makler nehmen. Ätzend.
      Die haben auch eine nette Facebook-Seite.
      Viel Erfolg.

  3. Oberrath hat ja nicht nur Villen, sondern auch einen schön normalen Part ohne viel Brennpunkt, direkt gegenüber vom Wald :-) und klar ist es ein eigenständiger Stadtteil, es ist vielleicht kein offizieller, aber schon mit einer ganz anderen Atmosphäre als die Westfalenstraße.

    Die kleineren Appartments in unserem Haus sind jedenfalls immer super schnell vermietet und irgendwas ist im Wasser, denn ausgezogen wird meist, weil dann knapp unter 50qm den Herren mit PartnerIn zu klein ist :-)))

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