Gasteintrag „Der Rest von Düsseldorf“ / Pempelfort

Lange hat es gedauert, aber nun ist endlich mal wieder ein düsseldorfer Stadtteil-Blogpost entstanden.
Über Pempelfort. Das freut mich besonders, denn das ist der Stadtteil, in dem ich als Studentin meine erste düsseldorfer Wohnung hatte und wo auch die Musikhochschule, an der ich studiert habe, steht (oder ist das schon Derendorf?).
Und 2012 habe ich in Pempelfort bei einer lieben Freundin „Unterschlupf“ gewährt bekommen für 1-2 Monate, als ich mich getrennt hatte und schnell eine Wohnung suchen musste.

Aber nun lassen wir den Gastautor zu Wort kommen:

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Hallo, ich bin xsportfreundx. Die letzten 10 meiner bislang 32 Lebensjahre wohne ich nun schon in Düsseldorf. Aufgewachsen im Niemandsland, nahe der holländischen Grenze, verschlug es mich im Jahr 2003 nach Düsseldorf. Nach 5 Jahren in Niederkassel, wechselte ich im Jahr 2008 die Rheinseite, zog nach Pempelfort und lebe seither hier.

Als mich Lina Luna fragte, ob ich nicht etwas über Pempelfort für ihren Blog schreiben wolle, war ich begeistert und finde die Idee nach wie vor toll. Nachdem ich das Vorhaben mal vergaß und diverse Male aufgrund von Zeitmangel nicht angehen konnte, sitze ich nun hier und nutze den Ostersonntag, um meinem Versprechen endlich Taten folgen zu lassen. Nur wie macht man das? Wie bringt man „seinen“ Stadtteil auf Papier? Ich habe mich entschieden, mein Rad zu nehmen, einfach kreuz und quer durch Pempelfort zu radeln und aufzuschreiben, was mir auf- und einfällt:

Ich starte auf der Nordstraße. Die Nordstraße ist eine quirlige Einkaufsstraße mit allem was mach braucht (oder auch nicht braucht, aber trotzdem hat. :-) ) Geschäfte des täglichen Bedarfs reihen sich an Traditionskneipen/-restaurants (wie das Café Florian oder das für seinen diktatorischen Geschäftsführer berühmt-berüchtigte Himmel&Ähd.), hier findet man Deutschlands einzigen unabhängigen Hörbuchladen und in den Hinterhöfen entdeckt man versteckt gelegene Cafés (wie das Café „a midi“) oder Kleidermanufakturen. Auch wenn es einen Starbucks oder einen Apollo-Brillen-Laden gibt, so ist die Nordstraße doch geprägt durch ein individuelles Angebot fernab der bekannten Filialgeschäfte und kann getrost als der lebendige Mittelpunkt Pempelforts bezeichnet werden. In den angrenzenden Straßen (insbesondere der Schwerin-, Park- und Kaiserswerther Straße) finden sich zahlreiche gute Restaurant, Bars und traditionelle Stadtteilkneipen.

Über die Kaiserswerther Straße radle ich in Richtung Klever Straße, der nördlichen Grenze Pempelforts. Vorbei an der „Haarschneiderei“, dessen Besitzer eine bewegte Vergangenheit im Zirkus (mit dem er einmal rund um den Globus gezogen ist) hinter sich hat und mit diesem Friseurladen nun sesshaft geworden ist. Zum erstklassigen Haarschnitt bekommt man hier ne Tasse Kaffee, unzählige Geschichten aus aller Welt und den neuesten Stadtteil-Tratsch serviert.

Weiter geht’s über die Pfalzstraße zum Kolpingplatz, wo Mittwochs und Samstags ein rheinischer Bauernmarkt stattfindet, auf dem man frische Produkte aus der Region bekommt und lebendiges Treiben herrscht.

Nachdem ich den Kolpingplatz hinter mir gelassen habe, biege ich wieder ab in Richtung Nordstraße, fahre dann aber nach links auf die Münsterstraße und stehe plötzlich vor der Münster-Therme. Ein altes Badehaus aus der Zeit um die Jahrhundertwende. Umfangreich saniert dient es auch heute noch als Schwimmbad und beeindruckt innen wie außen (nachdem man die unauffällige Einfahrt zwischen zwei Häusern gefunden hat) durch seinen Jugendstil-Charme. Die Münster-Therme ist eine wirkliche Perle, die Ihresgleichen nur noch selten findet.

Nun geht’s weiter über die Moltkestraße und diverse kleinere Wohnstraßen in Richtung Tußmannstraße, der östlichen Grenze Pempelforts. Sanierte Altbauten, unsanierte Altbauten und ein paar Bausünden der 50er Jahre wechseln sich ab und prägen das Stadtbild Pempelforts. Gelegentlich kann man einen Blick in die überall vorhandenen, aber leider oft hinter großen verschlossenen Toren liegenden Innenhöhe erhaschen. In diesen findet man zugewachsene Gärten und alte Gewerbehallen, welche aufwendig saniert wurden und nun Werbeagenturen, Architekturbüros, aber auch traditionelle Handwerksbetriebe oder andere tolle Sachen beherbergen. Sie verkörpern Großstadtidylle pur.

Am Ende der Tußmannstraße, direkt am Fuße der Franklinbrücke, mache ich eine Kaffeepause und entscheide mich zu diesem Zweck für das „Ab der Fisch“. DIE Frühstücks-Institution in Pempelfort. Genauso gut hätte ich aber auch in die „Löffelbar“ (spitzenmäßige Suppen!) oder in die urgemütliche „Botschaft Mitte“ gehen können… Vom Berlin-Mitte-Hipster mit Apple-Komplettausstattung, über junge Familien bis hin zum 60jährigen Nachbarn, der schnell auf nen Kaffee einkehrt, trifft man in diesen Cafés alle Arten von Mensch und es ist immer voll. Im Sommer haben alle ihre Terrassen mit Bierzeltgarnituren bestückt und man kann leben wie Gott in Frankreich.

Wäre es heute sonnig und warm, dann hätte ich mich vermutlich gegen den Kaffee und für ein Käsekuchen-Birnen-Eis (oder eine der anderen ausgefallenen Eissorten) in der gegenüberliegenden Eisdiele „Diele“ entschieden… :-)

Nach einem Bagel und dem Kaffee schwinge ich mich wieder aufs Rad und weiter geht’s über die Schirmer- und Schinkelstraße in Richtung des alten Güterbahnhofs Derendorf (ja, er heißt wirklich so, obwohl er mitten in Pempelfort liegt). Rechterhand wieder tolle Altbauten, linkerhand ein komplett neu entstandenes Wohnquartier mit individuell gestalteten und architektonisch einfallsreichen Wohnblöcken – größer und beeindruckender kann die Widersprüchlichkeit Pempelforts gar nicht dargestellt werden.

Schließlich komme ich am alten Güterbahnhof an. Leider hat die Gentrifizierung auch in Pempelfort keinen Halt gemacht und so mussten die ehemaligen Abfertigungshallen, welche bis vor drei oder vier Jahren einen wöchentlichen Flohmarkt beherbergten, dem o. g. Wohnquartier weichen. Erhalten geblieben ist glücklicherweise ein kleiner Teil der alten Hallen. In diesem Teil findet sich nun ein ausgefallenes Restaurant im Shabby-Chic-Look (das „Les Halles“), welches am Wochenende zum gut besuchten Club wird. Im gegenüberliegenden Gebäudeteil gibt es die „Bar Olio“. Beide Lokalitäten haben großzügige Außenterrassen, auf denen in warmen Sommernächten unter Lampions echtes Urlaubsgefühl aufkommt.

Über diverse Wohnstraßen radle ich nun quer durch Pempelfort bis zum Rhein, der die westliche Grenze des Stadtteils darstellt. Über die gesamte Länge dieser Westgrenze erstreckt sich der Rheinpark, ein ca. 2 km langer und 400m breiter Grünstreifen, der für mich den schönsten Teil Pempelforts darstellt. Im Sommer wird auf den großzügigen Wiesen gegrillt, Fußball gespielt, allgemein Sport getrieben oder auf Slacklines balanciert. Es ist absolut chillig und man kann beim Blick auf die Düsseldorfer Skyline den Sonnenuntergang genießen wie sonst nirgendwo in Düsseldorf.

Direkt an den Rheinpark angrenzend und nur durch die Cecilienallee von selbigem getrennt, liegt übrigens das Kulturzentrum Ehrenhof, eine Ansammlung von Museen, die wechselnde Ausstellungen bieten und Freitagsabend mit vergünstigtem Eintritt und Öffnungszeiten bis 24 Uhr (je nach Ausstellung) viele Menschen anlocken. In unmittelbarer Nähe zum Kulturzentrum Ehrenhof findet sich die Tonhalle und auf der anderen Seite die Robert-Schumann-Hochschule. Beides Institutionen für Musikliebhaber, zu denen ich besser nix schreibe, da ich mich mangels Ahnung nur lächerlich machen würde und für welche die Chikatze ohnehin der bessere Ansprechpartner ist. :-)

Unmittelbar am nicht zu übersehenden Ergo-Tower und dem daneben liegenden jüdischen Friedhof vorbei fahre ich nun zurück zur Nordstraße und beende dort meine Radtour wo ich sie begann.

Abschließend kann ich sagen, dass Pempelfort für mich durch seine Lage (die Altstadt/Innenstadt ist fußläufig erreichbar), seine infrastrukturelle Anbindung (U-Bahn, Straßenbahn, Bus) und die o. g. (bei weitem nicht abschließenden) Angebote pure Lebensqualität verkörpert. Hier finde ich Ruhe, quirliges Leben, kulturelles Angebot, freundliche Menschen und rheinische Geselligkeit. Hier bin ich zuhause.

Eine Übersicht über alle Stadtteil-Einträge findest Du hier.
Jeder ist herzlich eingeladen, seinen Eintrag zu schreiben- hier als Gasteintrag oder gerne auf dem eigenen Blog- ich verlinke dann!

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3 Kommentare zu “Gasteintrag „Der Rest von Düsseldorf“ / Pempelfort

  1. *seufz* Jetzt vermisse ich mein olles Pempelfort. Nordstraße! Parkstraße! Mein Kiez, meine Heimat, mein Hafen in Düsseldorf. Rheinpark! Meine Laufstrecke. Ehrenhof! Meine ewige Sehnsucht.

    LG, Jules
    (jetzt Bielefeld. Lacht nicht! Das ist super hier!)

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